Geschichte der ABG Meggen

35 Jahre Asylbegleitgruppe Meggen

Anfang der 1990er-Jahre veränderten der Zweite Golfkrieg im Irak und die Kriege im zerfallenden Jugoslawien das Leben vieler Menschen grundlegend. Tausende flohen vor Gewalt und Unsicherheit in den Westen, auch in die Schweiz. Die Gemeinden wurden verpflichtet, Asylsuchende aufzunehmen. Da in Meggen nur wenig freier Wohnraum zur Verfügung stand, wandte sich die Gemeinde an die reformierte Kirchgemeinde mit der Anfrage, auf ihrem Land einen Wohnpavillon für Asylsuchende aufstellen zu dürfen.

Der damalige Pfarrer Bruno Bassi erkannte früh, dass die Bereitstellung von Wohnraum allein nicht ausreichen würde. Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten, brauchten nicht nur ein Dach über dem Kopf, sondern auch Kontakte, Orientierung und Unterstützung im Alltag. Deshalb suchte er Freiwillige, die bereit waren, die neu angekommenen Menschen zu begleiten und ihnen das Einleben in ihrer neuen Umgebung zu erleichtern.

Im September 1991 trafen sich erstmals Interessierte zu einer gemeinsamen Sitzung. Dabei wurden Ziele formuliert, erste Einsätze geplant und Grundsätze für die künftige Arbeit festgelegt. Aus diesem Treffen entstand die Asylbegleitgruppe (ABG) Meggen, Adligenswil, Udligenswil.

Zu Beginn bestand Einigkeit darüber, dass die Gruppe keine politische Rolle übernehmen wollte. Die praktische Arbeit zeigte jedoch bald, dass die Begleitung von Asylsuchenden unweigerlich Berührungspunkte mit politischen und gesellschaftlichen Fragen mit sich brachte. Immer wieder wurden die Freiwilligen mit schwierigen Einzelfällen konfrontiert, in denen Behördenentscheide, administrative Verfahren oder mangelnde Abklärungen direkte Auswirkungen auf das Leben der Betroffenen hatten. Wo nötig, setzte sich die ABG für faire Verfahren und sorgfältige Entscheidungen ein. Dieses Engagement wurde von aussen nicht selten als politisches Handeln wahrgenommen.

Mit den Jahren entstand ein breit abgestütztes Netzwerk. Die Zusammenarbeit mit kantonalen Stellen, Gemeindebehörden, Schulen, Lehrpersonen, Ärztinnen und Ärzten, Juristinnen und Juristen sowie Organisationen wie Caritas oder dem Luzerner Asylnetz wurde zu einem wichtigen Bestandteil der Arbeit. Gleichzeitig wuchs die Zahl der Freiwilligen, die sich in der Begleitung und Unterstützung von Geflüchteten engagierten.

Das Spektrum der Aufgaben erweiterte sich stetig. Sach- und Nothilfe, die Vermittlung von juristischer Unterstützung, unentgeltliche zahnärztliche Behandlungen, Begleitungen zu Behörden, Schulen und anderen Institutionen gehörten ebenso dazu wie persönliche Gespräche und praktische Hilfe im Alltag. Vieles wurde vermittelt und koordiniert, manches direkt durch die Mitglieder der ABG übernommen.

Ein besonderes Anliegen war und ist die sprachliche Integration. Da Sprache ein Schlüssel zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ist, organisierten Mitglieder der ABG immer wieder Deutschkurse und Lernangebote.

Im Zentrum der Arbeit stand stets die Überzeugung, dass jeder Mensch Anspruch auf Würde, Respekt und faire Behandlung hat. Gleichzeitig brachte die Begleitung von Geflüchteten auch belastende Erfahrungen mit sich: fremdenfeindliche Anfeindungen, Einschüchterungsversuche oder Ausschaffungen von Menschen, zu denen enge Beziehungen entstanden waren. Der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe half, solche Situationen gemeinsam zu tragen.

Mit den Jahren veränderten sich sowohl die Herkunftsländer der Geflüchteten als auch die Anforderungen an die Freiwilligenarbeit. Nach der Jahrtausendwende kamen vermehrt Menschen aus Afghanistan und später aus Syrien in die Schweiz. Hinzu kamen Flüchtende und Migrantinnen und Migranten aus Nordafrika, die aufgrund von Perspektivlosigkeit und wirtschaftlicher Not den Weg über das Mittelmeer nach Europa suchten.

Die zunehmenden Aufgaben führten schliesslich dazu, dass sich die ursprünglich gemeinsame Asylbegleitgruppe organisatorisch aufteilte. In Adligenswil entstand eine eigenständige Schwesterorganisation, die sich 2017 als Verein Asylbegleitgruppe Adligenswil (aba) konstituierte.

Trotz organisatorischer Veränderungen sind die Grundgedanken bis heute dieselben geblieben: Menschen in schwierigen Lebenssituationen zu begleiten, ihre Integration zu fördern, ihre Selbstständigkeit zu stärken und ihnen mit Offenheit, Respekt und Solidarität zu begegnen. Diese Werte prägen die Arbeit der Asylbegleitgruppe Meggen seit ihrer Gründung im Jahr 1991 und bilden bis heute das Fundament ihres Engagements.